Die Karte bitte!

2011-04-27

Hoffentlich muss man diese Bitte aus der Überschrift heutzutage nicht mehr sagen. Immerhin ist es ja doch schon zur Regel geworden, ganz unaufgefordert nach dem Platznehmen im Restaurant auch die Speisekarte zu bekommen.

Was ich aber meist nie verstanden habe, war das sofortige Fragen nach den Getränken. Klar, schnell den Durst stillen und damit auch den Kunden im Laden halten. Aber: ich weiß ja meist gar nicht, was es alles so an Getränken gibt!

Ich gehe ja eigentlich sowieso viel zu selten aus. Obwohl Restaurantbesuche durchaus interessant sind. Das unterschiedliche Ambiente, die verschiendsten Ausstattungen, der Service … das alles kann von sehr gut bis “will ich lieber nicht drüber reden” reichen.

Achja, ein Aushängeschild sind nebenbei auch tatsächlich die Speisekarten. Es ist nicht zu unterschätzen, wie stark eine gut aufgemachte Karte den ersten Eindruck des Kunden beeinflusst. Es heisst ja nicht umsonst, sie sei eine Visitenkarte fürs Restaurant. (Nur warum darf ich die dann nicht mitnehmen?) Daher sollte nicht nur das Angebot und der Service gut sein, sondern sich alles auch in der Karte widerspiegeln.

Auffällig hierbei ist oftmals, dass Regionalküchen leider auch gern immer Karten nach Schema F erstellen und nutzen. Pauschal kann man selbst als Analphabet schon an der Aufmachung erkennen, in was für einer gastronomischen Einheit man sich befindet (selbst, wenn man diese blind betreten würde). Griechische Restaurants stechen hier meiner Meinung nach besonders hervor, immer dieses Athen-Prinzip (Typo und das klassische Muster der Mäander-Ornamente).

Aber auch die asiatischen Fresstempel arbeiten alle nach dem selben Prinzip. Und Italiener sind eigentlich auch nicht schwer zu erkennen (die haben meist immer einen typisch klingenden Namen).

Okay, der Wiedererkennungswert ist damit natürlich hoch und selbst ein BILD-“Leser” dürfte sofort wissen, wo er sich aufhält und was er für Speisen zu erwarten hat. Aber statt immer nur dieses Franchise-artige Design wäre mehr Individualität wünschenswert.

Übrigens: eine griechische Speisekarte, die in einer römischen Schriftart gesetzt wurde, wirkt arg befremdlich! Es mag ja dem Geschichtsunkundigen kaum auffallen, aber irgendwas ist doch eigentlich schiefgelaufen bei der Identitätsfindung.

Nichtsdestrotrotz: Lasst es euch schmecken! Und achtet mal eben doch mehr auf die Details — das ist durchaus interessant.